Was ist das NEUE – was nun beginnt? Teil 2
…nachdem wir erkannt haben, dass es nicht um ein Entweder-oder geht!
Für mich ist das NEUE, die Herausforderung, bewusst die Vielfalt anzunehmen und zu feiern.
Wenn mir klar wird, dass unterschiedliche Wahrnehmungen Ausdruck unterschiedlicher Bewusstseinsstände, Erfahrungen, Prägungen und innerer Positionen sind — und es schon deshalb existieren darf und gleiche Gültigkeit hat.
Es geht um die Anerkennung der Existenz verschiedener Wirklichkeitszugänge, ohne sofortige moralische Vernichtung des Anderen.
Denn wenn ich mir selbst erlauben will, meine subjektive, schöpferische Wahrheit zu fühlen, zu erkennen und zu leben, muss ich sie auch anderen zugestehen.
Wenn es uns gelingt, uns gegenseitig zu respektieren, ohne uns gegenseitig auslöschen zu wollen, ohne uns gegenseitig kontrollieren und beherrschen zu wollen – aus Angst, sonst unsere Identität zu verlieren –, dann schaffen wir es, das Schwarz-Weiß-Denken zu verlassen.
Dann wird klar, dass wir uns distanzieren können, dass wir etwas ablehnen können, etwas nicht mitmachen, nicht unterstützen – das ist die Freiheit der Wahl, die wir haben.
Wenn ich mich in die unterschiedlichen Nationen und Volksseelen hineinversetze, mich mit ihrer Kultur und Geschichte befasse, dann kann ich sehen, verstehen, akzeptieren. Ich muss es deshalb nicht gutheißen, aber ich sehe, dass es so IST und warum es so IST. Anerkennen was ist und respektvoll bleiben, ehrlich sein, Grenzen setzen und Grenzen achten.
Das ist alles, was es zu tun gibt und wir können das freundlich tun, wohlwollend, ohne die anderen abzuwerten oder zu verletzen. Im Großen wie im Kleinen.
Der Kampf gegen etwas, füttert das Problem und zieht uns Energie ab, die wir lieber darauf verwenden sollten, das zu tun, was wir gerne tun möchten.
Mich interessiert der Zwischenraum zwischen Zustimmung und Feindschaft – dieser Raum ist gewaltig groß und wir haben ihn fast verschwinden lassen, so eng sind wir geworden.
Ich gehe davon aus, dass wir JEDE Perspektive, jede Sichtweise brauchen, um einen Hauch der Wirklichkeit zu erfassen.
Denn die Wirklichkeit schließt alle Bewusstseinsebenen ein und alle Blickwinkel. Sie ist nicht schwarz-weiß und auch nicht gut und böse – sie ist multidimensional und unendlich groß und bunt.
Wenn uns eine andere Meinung nicht mehr bedroht, wenn wir tief in uns fühlen, dass es sein darf, dass es ein Geschenk ist und dass wir alle unsere ureigene Meinung haben dürfen und uns neugierig austauschen, ohne andere zu überzeugen, zu retten, zu manipulieren, zu verurteilen oder sofort als Feind zu betrachten – dann haben wir die Kriegstrance überwunden.
Hey, stellt euch mal vor, wir würden uns vorbehaltlos neugierig zuhören und versuchen zu verstehen, warum der andere so tickt und denkt, wie er denkt!
Was für ein buntes Fest der Vielfalt könnte daraus erwachsen?
Was für ein Feld an Möglichkeiten und Entfaltungserlaubnis könnte daraus entstehen?
Unterschiedliche Perspektiven sind keine Störung der Wahrheitssuche, sondern ihre Voraussetzung.
Kein einzelnes Bewusstsein kann die Wirklichkeit vollständig erfassen.
Deshalb ist Vielfalt nicht bloß sozial „nett“ oder moralisch wünschenswert, sondern erkenntnistheoretisch notwendig.
Damit meine ich nicht, dass ich es gutheiße, dass Völker zwangsvermischt werden.
Ich spreche von:
Wahrnehmungsvielfalt
Erfahrungsvielfalt
Bewusstseinsvielfalt
Und daraus entsteht ein interessantes Bild:
Jeder Mensch hält vielleicht nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit — subjektiv verzerrt, gefärbt, begrenzt. (so wie bei der Geschichte von den blinden Männern und dem Elefant)
Aber erst durch die Reibung, Ergänzung und Gegenüberstellung vieler Perspektiven entsteht etwas Näherungsweises an ein größeres Ganzes.
Es sollte also nicht darum gehen, die Unterschiedlichkeit auszumerzen — sondern bewusst und neugierig Dialogräume zu schaffen, zwischen den Perspektiven.
Denn sobald jede Gruppe glaubt, nur sie sehe „die Wahrheit“, alle anderen seien böse, dumm oder gefährlich, zerfällt die Möglichkeit, Wirklichkeit gemeinsam überhaupt noch zu erkunden.
Dann bleibt nur noch Ideologie.
Deshalb ist genau an dieser Stelle eine EINSICHT nötig:
„Wir brauchen JEDE Perspektive.“
Das NEUE beginnt nicht mit neuen Systemen, sondern mit einer anderen Art des Bewusstseins, im Umgang mit Wirklichkeit selbst.
Ich spreche aus Erfahrung.
Ich sehe die Dinge so, weil ich erleben durfte, wie bereichernd es ist, sich in die Mokassins des „Feindes“ zu stellen. Oft habe ich alles gegeben, um die Menschen zu verstehen, die Dinge sagten und taten, die ich selbst entsetzlich, verachtenswert und bedrohlich fand.
Menschen wertzuschätzen und sogar lieben zu lernen, die ich wirklich furchtbar fand und die mich durch ihr so Sein, krass herausgefordert haben, ist etwas Wunderbares. Es gelang mir dadurch, dass ich einen anderen Platz in MIR fand, von diesem neuen Platz aus, konnte ich eine andere Haltung einnehmen und erkannte jedes Mal: DANKE! Dieser innere Platz ist ein heiler Ort, die Seele, das wahre Selbst, wie auch immer man es nennen mag – nichts kann noch bedrohlich empfunden werden, weil von dort geschaut, sowieso alles gut ist.
Wenn ich mich von anderen verletzt fühle, dann ist das für mich das Signal, dass ich gerade verrutscht bin, gerade nicht an diesem Platz, sondern irgendein Anteil reagiert, der an der Stelle eine Verletzung hat und es gibt mir die Möglichkeit, das in mir zu verändern.
Genau dafür sind wir einander Geschenk, wir bräuchten also nur noch mit Dankbarkeit und Freude annehmen, statt beleidigt zu sein, und wütend oder im Vorwurf auf den anderen.
Wenn es dann noch gelingt, das innere erleben, offen zu kommunizieren, gehen oft Türen auf, wo man vorher nur kalte Wände gesehen hatte.
Wir haben die Fähigkeit, Verbundenheit zu fühlen – auch in der größten Unterschiedlichkeit.
Es steht und fällt alles mit dem „Konzept“ dahinter.
Wenn wir Verschiedenheit als Wert, statt als Bedrohung erkennen, wenn wir offenen Austausch anstreben, statt Abgrenzung und Verurteilung, dann sind wirklicher Kontakt, wirklicher Respekt und wirkliche Akzeptanz möglich.
Und am Ende ist es das, was wir uns alle für uns selbst wünschen – akzeptiert zu werden.
Wichtig ist, zu verstehen, dass wir ein ungesundes Verhalten erlernt und praktiziert haben. Jetzt dürfen wir das NEU gestalten, bewusst wählen.
Denn wir dürfen uns abgrenzen – müssen es sogar. Wir dürfen offen und ehrlich sagen, was wir brauchen, um uns sicher zu fühlen. Wir dürfen uns distanzieren und wir dürfen auch deutlich andere Menschen oder Meinungen ablehnen. Was lediglich heißt, dass man sich damit nicht verbinden möchte.
Trotzdem akzeptieren wir diese Menschen und Meinungen – aber wir möchten nicht den gleichen Raum teilen, vielleicht nicht zusammen leben und arbeiten – weil es einfach nicht zusammen passt.
Was nicht heißt, dass die anderen, oder wir selbst falsch oder schlecht sind – wir sind uns wohl gesonnen und wissen das voneinander. Das ist Frieden!
Wir müssen also auch lernen, uns gegenseitig aus dem Weg zu gehen und uns in Ruhe zu lassen.
Auch das gehört zur Akzeptanz und zum Respekt.
Wenn ich etwas ablehne, heißt das nicht, dass der andere falsch ist – es heißt nur:
ICH möchte damit nicht in alltäglichem Kontakt sein, es ist nicht meins.
Gleichzeitig kann ich meinen Respekt dafür aufrechterhalten und den anderen das spüren lassen, sodass keine Feindschaft entstehen muss.
Das NEUE ist also für mich, den Krieg zu beenden. Den Krieg in mir.
Den Krieg mit Andersdenkenden.
Stattdessen mir selbst vollständig zu erlauben, ich selbst zu sein und es auch jedem anderen Menschen zu erlauben. Wenn ich vollständig ich selbst sein darf und ich selbst bin, dann bin ich stark und sicher und zufrieden. Dann hat das Verbiegen-Wollen oder Verbiegen-Müssen aufgehört. Dann hat die Angst vor Ablehnung aufgehört. Denn dann habe ich selber JA zu mir gesagt und mehr braucht es nicht.
Wenn mich jemand ablehnt, jemand mich nicht versteht, dann löst das keinen Schmerz und keine Angst in mir aus, sondern Dankbarkeit, dass der andere erkannt hat, dass da etwas nicht zusammenpasst und das offen zum Ausdruck bringt.
Schmerz entsteht nur da, wo ich mich selbst ablehne und andere dafür verantwortlich mache.
Wir suchen nur dann nach Bestätigung im Außen, wenn wir uns selbst nicht vollständig angenommen haben. Weil wir mit unserer Selbstliebe hadern oder gar nicht wissen, wie das geht.
Und wenn wir darauf angewiesen sind, von anderen geliebt zu werden, weil wir es selbst nicht vollständig können, dann sind wir manipulierbar, verlassen uns selbst, um der Anerkennung und Liebe willen, die aber nie genug, nie wirklich befriedigend sein wird – weil das eigene vollständige JA zu uns selbst fehlt.
Hier liegt meiner Meinung nach der heilige Gral.
Denn was ich mir selbst nicht erlaube, das kann ich auch anderen nicht erlauben und so drangsalieren wir uns gegenseitig.
Natürlich gibt es noch viele andere Aspekte, die uns in die Enge und Feindschaft untereinander, in die Angst und Abhängigkeit gebracht haben. Meine Betrachtungen sind nur ein winziger Ausschnitt, einiger dieser Zusammenhänge.
Das NEUE für mich ist, dass genau das nun alles zutage tritt, uns ins Bewusstsein kommt und wir die Möglichkeit haben, uns selbst davon zu befreien – und damit auch alle anderen.
Das NEUE beginnt nicht mit neuen Systemen, sondern mit einer anderen Art des Bewusstseins im Umgang mit dem eigenen Selbst und der Wirklichkeit.

2 Kommentare zu „Was ist das NEUE – was nun beginnt? Teil 2“
Liebe Grit,
In deinen Ausführungen steckt soviel Weisheit, daß ich hier sogar den Ausdruck „Christus Bewußtsein“ wähle – vielleicht noch nicht in allen Facetten, jedoch in sehr hohem Umfang.
Sich selbst anzunehmen und zu lieben, wie man ist, ist nicht immer leicht. Es braucht Vergebung – auch sich selbst gegenüber, und natürlich auch bei anderen. Unsere Prägungen sind oftmals so tief verletzend gewesen, dass wir es fast unmöglich finden, uns auf die Perspektive des Anderen einzulassen, weil Angst, Scham, Schuld uns im Griff haben (zu haben scheinen). Wie schwer es uns fällt, Bereitschaft zu zeigen, die Perspektive unsereres Mitmenschen einzunehmen und Ihn am Ende zu akzeptieren – ohne zu verurteilen, ja – wie Du sagst – Ihn als Geschenk anzusehen, ist tatsächlich in meinen Augen schon eine Art Meisterschaft – Liebe zu üben – sich selbst gegenüber und natürlich auch dem Nächsten – dem „Bruder“ /der „Schwester“.
Bei- Ein Kurs in Wundern-, den ich gerade zum dritten Male mache, ertappe ich mich immer wieder , wie leicht ich noch in die Falle der Verurteilung anderer bzw. dem Schubladendenken verfalle, anstatt die Perspektive des Anderen als Bereicherung zu betrachten, Ihn als „Geschenk“ zu sehen, wie Du es so wundervoll beschrieben hast. In den „Mokassins des Anderen zu gehen“ , bedeutet auch sehr viel Mut und auch Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, dass ich eben nicht das arme Opfer bin, sondern für mich und mein Leben die volle Verantwortung trage bzw. zu übernehmen bereit bin.
Es erfordert auch eine Menge Eigenreflexion und Selbstdisziplin, um einerseits zur Selbstliebe zu finden und dann noch Größe die Perspektive des Anderen zu akzeptieren – so wie die Eigene-und das Ganze ohne Groll und Egogehabe, sondern einfach LiebeVOLL.
Dieser Schritt ist machbar, nur sicher nicht einfach. Ich wünsche mir, dass wir diesen Schritt im Kleinen, wie im Großen im Neuen Bewusstsein – „Mensch Sein“ verwirklichen können, auf das wir miteinander feiern, singen, tanzen, lachen, lieben…
Danke für deine Inspirationen
Steffen
Ich sehe auch viel Wandel in die Richtung – solche Trainings wie „ehrliches Mitteilen“, der „Kurs in Wundern“ und viele, viele unterstützende Bücher und Videos von Menschen, die das schon selbst erfahren und zum Teil gemeistert haben – gehen mit vielen Menschen in Resonanz und scheinbar auch mit dir…
Andere Menschen gehen mit anderen „Werten“ in Resonanz und haben dafür auch ihre Gründe. Ich bin auch sehr gespannt, auf Kommentare von denen, die es ganz anderes sehen als ich.