Drei Tage Dunkelheit und Fasten

Drei Tage Dunkelheit und Fasten


Dunkelfasten – Mein Selbstexperiment

Dunkelfasten als Begriff, war mir noch vor einigen Monaten völlig unbekannt, und ich kann auch nicht mehr sagen, wo genau im Internet ich darauf gestoßen bin. Es hatte auf jeden Fall sofort „bling“ gemacht, und ich spürte meine alte Sehnsucht wieder, die ich schon lange in mir trage. Eine Sehnsucht nach Stille und ganz viel Raum, um in Ruhe in mich hineinzulauschen, um mir selbst noch näher zu kommen, um Selbstgespräche zu führen, zu träumen und um Gedanken zu Ende denken zu können, ohne Ablenkung, ohne Eile. Wie oft war ich in luziden Träumen an einem Punkt, wo ich gerne weitergegangen wäre, es aber nicht wagte, weil kein Raum dafür war. Weil ich nicht wusste, was dann geschehen würde und es mir nicht leisten konnte, mir zu erlauben, es auszuprobieren, denn ich musste ja funktionieren. Wie oft hatte ich Themen am Wickel, die ich mit Leib und Seele zu durchdringen suchte, doch auch hierfür wünschte ich mir mehr Raum, mehr Ruhe, mehr formlose Zeit, und das bietet der Alltag selten von alleine.
Deshalb dachte ich, 72 Stunden am Stück, ohne Störung, ohne irgendetwas zu müssen, ohne jeglichen Einfluss von außen – das ist das größte Geschenk, das ich mir machen kann.

Das mit der Dunkelheit hat mich schon immer fasziniert, aber von alleine wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen. Es gab früher in Leipzig mal ein Dunkelrestaurant, wo angeblich Blinde bedienten und es ganz dunkel war – das fand ich faszinierend, doch ich war leider nie dort.
Auch hörte ich schon verschiedene Thesen, was alles mit Körper und Geist passieren kann, wenn man 72 Stunden in totaler Dunkelheit verbringt. Den Verstand verlieren, Panikattacken und Trübung des Bewusstseins waren die beängstigenden Dinge, die da genannt wurden. Doch es war auch die Rede von: das innere Licht finden, phantastische Bewusstseinszustände, Neuverdrahtung des Gehirns und Reparatur und Heilung.
Und ich dachte mir: „Na, was denn jetzt, Fluch oder Segen?“ Sieht so aus, als sei das alles noch nicht wirklich erforscht und als hinge es einfach absolut vom jeweiligen Individuum ab, wie Körper, Geist und Seele damit umgehen. Meine Neugier war geweckt.

Naja, und Fasten, das mag ich sowieso, keine Ablenkung durch Essen ist etwas Wunderbares. Seit einigen Jahren esse ich meist nur einmal am Tag, gegen Nachmittag, und das tut meinem Körper, meinem Zeitmanagement und meinem Geldbeutel gut, und ich fühle mich viel wohler und genieße das Essen deutlich mehr. Irgendwann las ich mal etwas über Intervallfasten und Autophagie und stellte fest, dass es im Grunde das ist, was ich die ganze Zeit schon mache, auch wenn ich davon noch nie gehört hatte. Das erklärte nun wissenschaftlich, warum mein Körper sich seitdem viel gesünder fühlt und dass meine Intuition genau richtig war. Jetzt kann ich das dank der Forschung auch jedem erklären und meine Essensgewohnheiten besser rechtfertigen, denn nicht wenige wollten mir all die Jahre einreden, das sei ganz schrecklich ungesund.

Visuelle Formen
Bild: Grit Scholz

Ende des Jahres hatte ich mir fest vorgenommen, dieses Experiment zu machen, und mir schon genau überlegt, wie ich das anstellen könnte – ohne mich von außen betreuen zu lassen, denn das wollte ich auf keinen Fall. Es gibt auch im Internet teure Angebote, meist aber ohne Fasten, da bekommt man dann noch dreimal täglich Essen in die Dunkelkammer und allerhand andere Unterstützung bei Bedarf. Aber so was ist nichts für mich. Ich muss das mit mir selbst ausmachen.

Nach Weihnachten hatte ich aber unerwartet ein Problem mit meinem linken Auge, sah Blitze und schwarze Äste und wurde ermahnt, sofort einen Arzt aufzusuchen, weil diese Symptome eine Netzhautablösung begleiten können, die zu Erblindung führen könne. Ich war irritiert und total genervt, denn ich musste ins Klinikum, kein Augenarzt hatte offen, und meine Dunkelaktion musste ich erst mal verschieben, bis das mit dem Auge wieder sicher war. Um es kurz zu fassen: Ich bin nicht erblindet, sollte aber das Auge schonen und bräuchte Geduld, bis die schwarzen Äste verschwinden, die durch Blutungen verursacht wurden.

Und das war dann für mich der ausschlaggebende Punkt. Jetzt! Denn ich konnte sowieso nicht arbeiten, mich nicht anstrengen, nicht lesen – ich wusste auch gar nicht, wie man ein Auge ausruhen sollte.
Aber drei Tage Dunkelheit müssten doch ideal sein für das Auge, dachte ich mir jedenfalls.

Die Vorbereitungen gingen schnell, denn ich hatte das gedanklich ja schon eingerichtet. Am Montag aß ich gegen Mittag eine große Portion warmen Milchreis, und dann stellte ich das Essen ein, denn ich wollte in der Dunkelzeit mit einem Pipi-Eimer auskommen. Dienstag trank ich nur Wasser und Saft und bereitete den kleinsten Raum im Haus als Dunkelkammer vor.
Nachdem ich alles abgeklebt hatte, wo auch nur ein Fünkchen Licht hineinkommen konnte – Fenster, Tür, Schlüsselloch –, überlegte ich, was ich so brauchen könnte die Tage: einen Kanister Trinkwasser, eine Waschschüssel, einen Waschlappen, Zahnbürste, Handtuch, Pipi-Eimer mit Deckel, Papiertücher, Papierkorb, Trinkflasche, Kissen, Decken, Heizlüfter, mein Schaffell und einen Wecker.

Nun, da es konkret wurde und ich mich fragte, was für Bedürfnisse ich wohl haben werde in der Dunkelheit, packte ich auch noch meine Flöte dazu und zwei Fruchtsäfte. Bei den Vorbereitungen wurde mir klar, dass ich mich nicht foltern wollte, sondern dass ich so lange da drin bleibe, wie es mir gut tut, und mir auch erlaube, das Experiment jederzeit abzubrechen. Natürlich nicht bei einem kleinen Unwohlsein oder plötzlichen Heißhunger – es gibt einen schmalen Grat zwischen einer sinnvollen Herausforderung und einer sinnlosen Qual. Ich war mir sicher, dass ich beides zu unterscheiden weiß.
Mein Handy mit dem Wecker legte ich auf den Flur, im Flugmodus, und stellte ihn auf 18 Uhr, für alle drei Tage: Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Am Dienstag gegen 17 Uhr war ich bereit, die Dunkelkammer zu beziehen. Vorher hatte ich noch ein Basenbad genommen, das Zimmer mit Beifuß ausgeräuchert und den Katzen genug Futter für drei Tage hinterlassen. Die kennen das schon, wenn ich mal unterwegs bin.
Bis 18 Uhr verbrachte ich im Hellen, prägte mir ein, was wo steht, und stand auch noch zweimal auf, um etwas zu holen, und um 18 Uhr machte ich dann das Licht aus.

Eine so krasse Dunkelheit kennen wir heute gar nicht mehr. Stockdunkel ist eben mehr als dunkel. So dunkel, dass man die Hand vor Augen nicht sieht. Ich saß im Bett und ließ das auf mich wirken und war freudig gestimmt, dass ich es mir jetzt erlaube, einfach drei Tage zu verschwinden – MEINWÄRTS.
Der Satz „Es gibt nichts zu tun!“ wurde zu meinem Mantra, und gleichzeitig fühlte ich sehr laut ein „Ich bin hier, danke!“.

Es dauerte nicht lange, keine Stunde würde ich sagen, da wurde es irgendwie heller. Fasziniert starrte ich durch meine offenen Augen. Lichter Nebel waberte mir vor den Augen und nahm bizarre Formen an. Impulsartig tauchten Lichterblasen auf und verschwanden wieder, ganz rhythmisch. Ich zählte, wie oft hintereinander das gleiche Bild kam, meist waren es sechs Wiederholungen, und dann wechselte das Muster oder es wurde einfach wieder dunkel. Aber manchmal gab es auch mehr Wiederholungen. Zwischendrin tauchten auch farbige Impuls auf: Rot, Grün und Blau, Violett und Goldtöne. Alles in allem sehr faszinierend, aber das kannte ich bereits, denn das funktioniert bei mir auch bei normaler Dunkelheit. Nur jetzt war es wirklich besser, wie im Kino, wo ein psychedelischer Film läuft, wo sich alles bewegt und verändernde Muster und Lichter formt. Und das ganz ohne irgendwelche Substanzen 🙂
Ich hielt mir die Hand vor die Augen und sah genau das Gleiche. Es war völlig egal, ob die Augen offen oder geschlossen waren, an der Show änderte sich nichts. Puh, dachte ich, von wegen Dunkelheit. Irgendwie fühlte es sich auf eigenartige Weise auch anstrengend an, und mir wurde etwas bang bei der Vorstellung, dass das die ganzen drei Tage so geht. Ich wollte doch mein Auge ausruhen und einfach mal nichts sehen.

Lichtphänomene
Bild: Grit Scholz

Also beschäftigte ich mich damit, wie ich das abstellen konnte und wieder anstellen. Wenn ich die Augen ganz nach oben rollte, dann wurde es still und dunkel auf der Leinwand. Aber schon nach kurzer Zeit ging es wieder los. Absichtsloser Blick, dachte ich, das ist bestimmt die Lösung. Ich starre viel zu neugierig ins Dunkel und warte ja nur darauf, etwas zu sehen, damit sollte ich aufhören. Also versuchte ich es mit Ignorieren und Nicht-Hinschauen, aber wie schaut man nicht hin, wenn man das Gleiche auch mit Augen zu sieht? Gedanken – ich brauche andere Gedanken, die nichts mit „Was sehe ich denn da ständig?“ zu tun haben.
Das war die Lösung. Es war Ruhe im Blick, und Dunkelheit kehrte zurück, während ich meine Gedanken auf andere Teile meines Körpers lenkte und meinen schmerzenden Ellbogen massierte. Das war so schön, dass ich gleich bei den Füßen weitermachte und auch alle anderen Körperteile mit Berührung beschenkte. Vor allem der Kopf und der Nacken hatten es in sich. Dabei stellte ich mir vor, wie der ganze Körper und jede Zelle in den nächsten Tagen Schwerstarbeit leisten und aufräumen und ausmisten und umwandeln, und spürte Freude und Dankbarkeit und den klaren Willen, ihn dabei bestmöglich zu unterstützen.

Die Nacht war vollkommen unspektakulär. Eine ganz normale Nacht, mit normalen Träumen und dem wunderbaren Gefühl, ich kann so lange schlafen, wie ich will, und das tat ich auch. Ich war mir die ganze Zeit voll bewusst, dass ich in meinem Dunkelkammerexperiment bin, und diese Klarheit ging mir auch in den kommenden Tagen kein einziges Mal verloren.
Das verblüffte mich wirklich, weil ich damit gerechnet hatte, dass ich die Orientierung verlieren könnte. Denn selbst nach einer normalen Nacht brauche ich morgens manchmal Zeit, um mich zu erinnern, wo ich bin, wer ich bin, was für ein Tag ist, was zu tun ist – als müsste ich diese Daten von ganz weit her zurückholen. Jetzt beim Dunkelfasten gab es dieses Phänomen kein einziges Mal.

Irgendwann war ich wach und wollte aber das Bett nicht verlassen. Das Zimmer war auch eiskalt, da es nicht beheizbar ist, außer mit dem Heizlüfter, der war aber aus. Ich hangelte mich also nur so weit nötig aus dem Bett, bis ich den Lüfter ertasten konnte, und schaltete ihn ein. Sein starkes Rauschen erfüllte den Raum der Stille ganz befremdlich. Aber die Wärme war schnell zu spüren, und ich zog mir meine Strümpfe, Leggings und einen Pullover über und robbte auf Knien zum Pipi-Eimer – das funktionierte alles wunderbar.
Am Boden fühlte ich mich sicher, aber aufrecht im Zimmer herumgehen fühlte sich nicht gut an, das war wirklich seltsam. Also krabbelte ich auf allen Vieren dahin, wo ich die Waschschüssel vermutete und den Kanister, und war irritiert, weil sie nicht da waren, wo sie sein sollten. Das war verrückt, denn übersichtlicher kann ein Raum gar nicht sein.

Zähneputzen hatte mir selten solche Freude gemacht. Nun war es schon einigermaßen erträglich temperiert, und ich nutzte die Gelegenheit, mich auf dem Schaffell auszustrecken und in meinen Körper hineinzulauschen – wie er gern bewegt werden möchte. Das war sehr wonnig, und ich machte ausgiebig zahlreiche Verrenkungen, die mir gut taten, und Dehnübungen und alles Mögliche.
Mein Zeitgefühl sagte mir, es müsste jetzt ungefähr Mittag sein, wahrscheinlich noch sechs Stunden, bis der Wecker klingelt. Zu gerne hätte ich nachgeschaut, ob das stimmte.

Ich machte den Lüfter aus und kroch wieder zurück ins warme Bett. Es gibt nichts zu tun, wie herrlich. Einfach nur sein mit dem, was ist.
Mein Kopf fühlte sich irgendwie komisch an, keine direkten Kopfschmerzen, aber ein seltsamer Druck. Vielleicht kommt das von meinem verspannten Nacken, dachte ich. Ich massierte mir wieder Kopf und Nacken, doch es wurde nicht besser. Frische Luft! Vielleicht sollte ich mal das Fenster aufmachen und mir vorher die Augenbinde überziehen, die hatte ich schon zurechtgelegt für alle Fälle, falls ich mal raus muss.
Nachdem das Fenster offen war, steckte ich den ganzen Kopf unter die Decke. Nach dem Lüften fühlte es sich besser an. Aber ein leichter Druck im Kopf sollte mich über die ganzen drei Tage begleiten.

Ich widmete mich wieder der Erforschung der Lichtphänomene. Jetzt sah ich überall eine Art Sternenhimmel. Winziger als unsere Sterne, dafür aber unzählig mehr. Zwischendrin auch mal ein rotes oder blaues Pünktchen. Natürlich war der Sternenhimmel nicht nur oben, sondern überall. Ich versuchte, Energie zu sehen, schaute auf meine Hände, meine Finger – aber da war nichts. Selbst als ich zwischen den Handflächen einen Energieball machte, den ich gut fühlen konnte – zu sehen war nichts. Ich war irgendwie enttäuscht. Denn diese Energie hatte ich in anderen Zusammenhängen schon sehen können, da war es nicht dunkel.
Also schaute ich wieder voller Erwartung auf die Leinwand und ließ meinen Blick schweifen, in der Hoffnung, dass nun, nach fast zwölf Stunden, vielleicht auf magische Weise doch irgendwelche Umrisse des Zimmers sichtbar werden. Dabei dachte ich an die russischen Kinder, die ohne Augen lesen und Fahrrad fahren lernen, wobei sie die Augen unter einer Schwarzbrille offen halten, wo es aber absolut dunkel ist. Diese Schulen basieren auf der Schetinin-Pädagogik. Dieses „ohne Augen sehen“, das wollte ich schon immer gerne lernen und hatte es auch mit meiner Tochter geübt, als sie noch klein war. Damals hatten wir aber nur mäßige Erfolge, bei Farben hatte es schon ganz gut geklappt. Infolink

Es wurden leider keine Umrisse des Zimmers sichtbar, sondern mein Raum verwandelte sich eher in eine Art Palast. Ein Raumgefühl von hoher Gewölbedecke, mit diesem Sternenhimmel und wandernden Lichtwolken. Ich fragte mich: „Woher kommen diese Bilder?“ Wenn ich mir das bewusst vorgestellt hätte, also visualisiert, dann könnte ich das nachvollziehen. Geist erschafft Materie. Doch ich war total leer, stellte mir gar nichts vor, sondern schaute nur und sah so faszinierende Dinge, Muster und Strukturen, die ich mir nicht erklären konnte. So faszinierend es auch war, es war auch irgendwie anstrengend.

Irgendwann hatte ich genug davon und wollte noch mal meine Hüfte auf dem Massageball herumrollen lassen, denn die macht bei langem Liegen manchmal Beschwerden.
Ich glitt aus dem Bett und griff in die Richtung, wo ich den Ball hingelegt hatte, und ertastete lange nichts und dann den Nachtschrank und war völlig verwirrt – denn der sollte eigentlich auf der anderen Seite sein. Also bewegte ich mich dahin, was ich als schräg gegenüber von dem Nachtschrank empfand, und war aber wieder irgendwo, wo ich nicht hätte sein können.
Diese absolute Orientierungslosigkeit im Raum sollte mich die nächsten Tage begleiten. Es war wirklich verrückt und unfassbar, wie weit meine Vorstellung und die Realität voneinander entfernt waren. Dabei hätte ich mir solche Schwierigkeiten bei einem Raum, der nur 2,5 x 3,5 Meter ist, nicht vorstellen können. Noch dazu lag in der Mitte längs das Schaffell auf dem Boden, an dem ich mich ja orientierte, weil ich immer am Boden herumkroch, und trotzdem stimmte vorne und hinten nichts.
Ich denke, dass meine Position in vielen Fällen vielleicht richtig war, aber der Winkel nicht stimmte, aus dem ich meine Hand ausstreckte, und dann drehte ich mich beim Tasten, und dann war alles durcheinander 🙂 Mehrmals habe ich wirklich laut lachen müssen, weil ich das Gefühl hatte, das Zimmer spielt mit mir Verstecken.

Ab und zu scharrten meine Katzen an der Tür, und ich redete auf sie ein, dass ich irgendwann wieder rauskomme, aber jetzt nicht. Zum Glück geben sie dann auch schnell Ruhe.
Ich reiste in Gedanken in eine Zeit, wo es keine Industrie und keine moderne Zivilisation, wie wir sie heute kennen, gab. Dabei wurde mir wieder klar, dass es wahrscheinlich zu vielen Zeiten hochentwickelte Kulturen gab, die aber territorial begrenzt waren und anderswo die Menschen nichts davon wussten und ganz einfach im Einklang mit der Natur oder im Kampf mit ihr lebten, je nachdem, wie lebensfreundlich oder lebensfeindlich die Umgebung war.
Denn selbst heute gibt es noch Regionen auf der Erde, wo Menschen leben, die nichts wissen von der Zivilisation, die sich inzwischen so feindselig ausgebreitet hat, dass sie alles Lebendige auf Mutter Erde mehr und mehr zerstört. Ich fiel dabei ganz tief hinein in das natürliche Gefüge von Geben und Nehmen und in die Klarheit, dass alles von Mutter Erde ist, was wir an Dingen, Gerätschaften und Materie haben, und natürlich alle Nahrung, und dass das kaum noch jemandem bewusst ist. Dass wir dem Lebendigen und der Verbundenheit und Dankbarkeit, dem Respekt vor allem, was ist, völlig fremd geworden sind. Als wären wir in der Tat aus der Schöpfung gefallen, auf einem Weg der Zerstörung.

Nahrung, Gaben der Erde, Foto: Grit Scholz
Foto: Grit Scholz

Ich dachte daran, dass es wieder Gastfreundschaft geben müsste, dass jeder Mensch, jederzeit an jede Tür klopfen könnte und man neugierig öffnet und sich fragt, warum das Leben wohl gerade diesen Menschen an die Tür klopfen ließ. Schließlich gibt es ja viele Türen. Und der Mensch, der klopft, fragt sich auch, warum er wohl gerade diese Tür gewählt hat. Dann könnten Menschen wieder lernen, sich wahrlich zu begegnen. Wohlgesonnen, freudig, ohne Angst und Misstrauen. Ganz viele Zusammenhänge tauchten in mir auf, das kann ich hier gar nicht so wieder geben.

Plötzlich zwitscherten die Vögel, und ich wusste seltsamerweise sofort: Das ist der Wecker, es ist 18 Uhr – obwohl ich wirklich, wirklich zutiefst versunken war.
Die Nacht verlief ähnlich wie die erste Nacht, ohne Besonderheiten. Ich wunderte mich nur, dass ich schon wieder schlafen konnte.

Als ich erwachte, blieb ich noch ewig so liegen, spürte meinen Träumen nach und war einfach nur glücklich. Es gibt nichts zu tun! Im Grunde lief der Tag auch ganz ähnlich ab wie der Erste. Heizlüfter an, Zähneputzen und Katzenwäsche und dann wieder ausgiebige Körperübungen, die ich sehr genoss. Ich tat nichts aus dem Kopf heraus, sondern folgte einfach nur den Bedürfnissen und Impulsen meines Körpers. Atemübungen, Massage, und dann begann es plötzlich aus mir zu singen. Und ich dachte, verrückt, dass ich mit keinem Gedanken an Singen gedacht hatte – denn das ist etwas, was man im Dunkeln gut tun kann. Ich suchte nach meinem ureigenen Ton, der leicht und frei und kraftvoll aus mir fließt, ohne Anstrengung. Ich genoss es, zu tönen ohne Scham, denn niemand konnte mich hören. Und plötzlich war er da, der Ton, der fast keinen Druck, fast keinen Atem brauchte – es war, als mache ich ihn gar nicht selbst, sondern als kommt er einfach aus mir heraus. Ich mache nur den Mund auf. Dieses Phänomen ist mir nicht neu, ich habe das schon erlebt, aber es ist so selten und kostbar, eben weil man es nicht machen kann. Man kann nur den Raum halten, in dem es geschehen kann. Darin habe ich gefühlt stundenlang gebadet und experimentiert mit Kopfstimme, und der Klangraum wurde immer größer. Ich fühlte mich wie ein Orchester. Jetzt hätte ich gerne ein Handy dabei gehabt, um das aufzunehmen, um es mir später anhören zu können und zu fühlen, wie es sich von außen anhört.

Wieder im Bett spielte ich herum mit meiner inneren Leinwand und den Lichtbildern und versuchte, den Palast, der wieder erschien, bewusst zu gestalten und auszubauen. Das gelang nur bedingt. Es blieb einfach nie lange konstant, weil es ein ständiges Fließen ist, und insofern sind alle Formen nur flüchtige Andeutungen, ich konnte sie nicht festhalten.
Nachdem es mir wieder zu anstrengend war, was ich immer an dem steigenden Druck im Kopf spürte, lenkte ich meine Gedanken in andere Richtungen.

Ich dachte plötzlich an Reiten. Auch ein Traum, eine Sehnsucht von mir. Es ist schon sechs Jahre her, als ich das letzte Mal geritten bin, durch den Urwald in Mexiko. Ich konzentrierte mich auf meine Erinnerungen, und jetzt fühlte ich das Pferd, nahm seinen Duft wahr, seine Geräusche, streichelte es, liebkoste seine weichen Nüstern und saß auf. Dieses Gefühl, wenn es langsam los trabt, ich spürte es in jeder Zelle, als hätte ich den Sattel unter mir und den Pferdehals mit seiner weichen Mähne vor mir. Es ging über weite Wiesen, kein mexikanischer Urwald und dann durch einen Wald, der von Kiefernduft geschwängert war, auf weichem Sandboden. Die Bilder kamen so von selbst, dass ich eher erstaunt war. Ich weiß, dass ich auch gut solche Dinge visualisieren kann und da so tief eintauchen, bis es sich fast real anfühlt. Aber diesmal visualisierte ich gar nicht bewusst. Es fühlte sich verdammt real an, als ich plötzlich roch, dass das Meer nicht weit sein kann, und wirklich, als wir den Wald verließen, lag vor uns das Meer, kein Mensch weit und breit. Ich war so glückselig. Im Galopp ging es zum Strand, und ich konnte gar nicht schnell genug die Sachen ausziehen, so freute ich mich, da hineinzutauchen. Meine Sachen machte ich am Sattel fest und rannte in die leichten Wellen. Wie das riecht und wie salzig das Wasser schmeckt – was für ein Wunder das riesige Meer doch ist. Ich will schwimmen und schwimmen, aber weit hinaus wage ich mich nicht und beschließe parallel zum Ufer zu schwimmen und sehe: Mein Pferd hat es verstanden und bewegt sich mit mir in die gleiche Richtung, wie wunderbar und praktisch.
Ab und zu lege ich mich auf den Rücken und lasse mich treiben, schaue in den wolkenlosen Himmel und könnte vor Dankbarkeit und Glück platzen. Mir flirrt und flimmert es vor den Augen. Und für einen Moment kehre ich zurück in mein Bett und nehme wahr, dass es mir tatsächlich genauso vor den Augen flirrt und flimmert. Aber ich will noch schwimmen, das war so schön, und schwupps fühle ich wieder das Wasser. Ich war noch lange mit meinem Pferd unterwegs. Auch am dritten Tag habe ich wieder einen Ausflug mit dem Pferd gemacht, weil das so genial war. Beim zweiten Mal war es aber weniger intensiv. Man kann eben nichts wiederholen, nur weil man es will. Es ist im Grunde dann nur ein Abklatsch, eine Kopie – aber nicht das, was einem aus Gnade widerfährt.

Irgendwann hatte ich Lust, mal an dem Mangosaft zu nippen – das war sooo köstlich, es war weniger als ein Schluck und doch so intensiv und so lange lecker spürbar, ein Geschmacksuniversum. Es gab aber kein Verlangen, das zu wiederholen. Ich wusste, ich könnte noch einen Schluck nehmen, niemand hat es mir verboten, tat es aber nicht.
Da dachte ich darüber nach, wie achtlos und selbstverständlich ich im Alltag oft esse und trinke. Obwohl ich schon ziemlich langsam esse und auch bewusst genieße, ist der Kontrast trotzdem noch gewaltig zu dem, was ich jetzt empfunden habe.

Die Katze hörte nicht auf zu scharren und zu miauen, und ich beschloss, sie reinzulassen. Tastete nach der Türklinke, die natürlich nicht dort war, wo sie sein sollte. Ich machte die Augen fest zu und die Tür einen Spalt auf und spürte das Felltier an meinen Beinen vorbeistreichen und zielgerichtet ins Bett springen. Speedy hatte offensichtlich keine Orientierungsprobleme im Dunkeln.
Ich legte mich dazu, und von diesem Moment an fingen meine Augen an, wild zu flackern. Egal ob offen oder geschlossen, es flackerte, wie früher das Fernsehbild geflackert hat, wenn die Antenne falsch eingestellt war, und es flackerte sehr schnell. Das war total unangenehm und nervig. Augen hochrollen brachte nur kurze Erleichterung, und wenige Sekunden später flackerte es weiter.

Die Katze – dachte ich. Denn das war die einzige Erklärung. Sonst hatte sich nichts verändert.
Ich fühlte die Katze durch die Decke an meinen Beinen, aber ich konnte sie nicht sehen, es ging auch kein Licht von ihr aus, was ich irgendwie erwartet hätte. Ich versuchte es mit tiefem Atem und sagte immer wieder zu mir: „Alles ist gut!“ Das half ein bisschen, aber das Flackern kam immer wieder. Manchmal nur auf einem Auge, manchmal auf beiden. Ich trank ganz viel Wasser. Dann überlegte ich, die Katze wieder rauszuschmeißen.
Irgendwann hatte ich es dann raus, das Flimmern anzuhalten, mit starker Konzentration auf Ruhe und Dunkelheit und Alles-ist-gut. Aber das war auch sehr anstrengend, und sobald ich damit aufhörte, flackerte es wieder. Ich beschloss, es mit Ignorieren zu versuchen, und lenkte meine Gedanken in andere Themen. Dachte plötzlich an all die Menschen, die ich kannte, die schon gestorben sind, und nahm mir vor, eine Liste zu machen und sie so besser in meinem Bewusstsein halten zu können – ich wollte plötzlich alle sehen und keinen vergessen und merkte, dass es gar nicht einfach war, mich an alle zu erinnern. Und ich fragte mich, wieso mir gerade diese Gedanken kommen. Die Frage aller Fragen – woher kommen die Gedanken, wenn ich sie nicht bewusst gedacht habe?
Aber selbst wenn man sie bewusst gedacht zu haben glaubt, haben ja Hirnforscher festgestellt, dass sie vorher schon da waren.
Das Flackern war immer noch da. Ich entfernte die Katze aus dem Zimmer – aber auch das half nicht.
Nun gut, dann flackert es eben. Nicht irritieren lassen, an etwas Schönes denken. Und da zwitscherten die Vögel wieder, und ich wusste, es ist Donnerstag, 18 Uhr.

Ich muss eingeschlafen sein, denn ich erwachte, weil ich plötzlich ganz deutlich das Muster von meinem Kopfkissen sah, sehr hell. Nur mit dem Auge, mit dem ich auf dem Kissen lag, es war geschlossen. Wie konnte das denn sein? Ich schaute es mir genau an. Es war so klar und deutlich und bewegte sich auch nicht ständig, wie sonst die Erscheinungen. Es war auch farbig. Allerdings war es nicht plan, sondern irgendwie stark gewölbt und füllte das ganze Sichtfeld des Auges aus. Sollte ich den Kopf mal ein Stück drehen und das Auge mal aufmachen? Irgendwie wollte ich nicht, dass es verschwindet. Als das Auge offen war und nicht mehr zum Kissen gerichtet, sah ich das Muster immer noch unverändert. Das faszinierte mich total. Langsam verblasste es dann immer mehr, bis es verschwunden war.
Das war das Einzige, was ich während der drei Tage wirklich gesehen habe von dem, was wirklich in dem Zimmer real da war. Und ich frage mich, wie? Frage mich, warum nur das, warum nicht auch andere Dinge?

Später sang es wieder aus mir, und ich genoss diese Frequenzen wie ein Bad. Die Flöte rührte ich nicht an. Zwischendurch krabbelte ich immer wieder mal auf mein Schaffell, weil mir irgendwelche Körperteile wehtaten, am meisten die Hüfte und die Schulter, der Nacken und Ellenbogen. Ich bewegte meinen Körper und dehnte mich, massierte die Stellen, die danach riefen, und danach konnte ich immer wieder gut und gerne liegen, ohne Schmerzen.
Das Flackern hatte sich etwas beruhigt und tauchte nur noch ab und zu auf, und ich fragte mich, warum es erst nach der Katze flackerte.

Die letzte Nacht und der letzte Tag verliefen ähnlich, ohne ganz neue Phänomene zu bescheren. Das Flackern wurde immer seltener, tauchte aber immer wieder mal auf. Die Orientierungslosigkeit im Raum verblüffte mich immer wieder aufs Neue. Viel eher hätte ich erwartet, dass ich eine Orientierungslosigkeit im Geiste haben werde, verloren gehe in der Zeit oder so etwas.
Doch davon hatte ich null. Ich war die ganze Zeit völlig präsent und wusste in jedem Moment, wer ich bin und wo ich bin und was geschieht und was ich gerade tue, denke oder träume. Darüber war ich sehr erstaunt. Auch dass es mir die ganze Zeit wirklich gut ging und ich kein einziges Mal dachte, ich müsste diesen Raum vorzeitig verlassen, weil ich irgendetwas nicht aushalten kann. Ich war in Ruhe und Frieden, einzig das Flackern und die seltsamen Kopfschmerzen waren etwas unangenehm, aber kein Grund zur Panik.

Am Freitag dachte ich, dass ich den Raum verlassen werde, wenn die Vögel zwitschern, doch es erfasste mich irgendwann eine Art Unruhe. Meine Gedanken drehten sich darum, wie kalt das Haus ist und dass ich heizen möchte und die Katzen füttern und dass ich so gerne noch mal tönen möchte und versuchen möchte, das aufzunehmen. Mein Zeitgefühl sagte mir, es müsse Nachmittag sein, vielleicht 15 oder 16 Uhr, und es wäre gut, mir zu erlauben, einfach mal zu nachzuschauen.
Augenbinde auf und raus zum Handy, und tatsächlich war es 15.30 Uhr. Ich beschloss spontan, Feuer zu machen und die Katzen zu füttern und dann wieder reinzugehen – mal sehen, ob das klappt mit Augenbinde.
Es hat gut funktioniert, und ich habe dann das Handy mit reingenommen und gewartet, dass es aus mir singt. So schön war es irgendwie nicht wie in den Momenten, als es spontan von selbst passiert ist. Denn jetzt wollte ich es mit Absicht machen. Das gehört wieder zu den Dingen, die man nicht machen kann. Es ist eben diese Gnade, wenn mein Zustand und die Absicht der Schöpfung, des Lebens oder Gottes, wie auch immer man es nennen mag, zusammenfallen.
Trotzdem tönte ich voller Freude und machte einige Aufnahmen, in der Hoffnung, dass darin ein Hauch zu spüren sein würde von dem, was ich hier erlebt habe.

Gegen 17 Uhr verließ ich die Dunkelkammer endgültig und nahm die Augenbinde ab. Draußen war es schon dunkel, ich machte Licht an und war völlig erstaunt, dass meine Augen kein bisschen Probleme hatten mit der plötzlichen Helligkeit. Das hatte ich ganz anders erwartet.
Umso besser. Jetzt erst fiel mir auf, dass meine Äste in dem linken Auge, mit dem ich solche Probleme hatte, tatsächlich verschwunden waren. Was für ein Glück! Der Körper repariert sich selbst, wenn man ihn lässt.
Ein Blick aus dem Fenster erstaunte mich – alles voll Schnee, richtig fett viel. Wow!

Foto: 2 Tage danach

Vorher im Bett hatte ich darüber sinniert, was ich als Erstes machen sollte, wenn ich rauskomme. Heizen, Katzen füttern war schon passiert. Meine Eltern anrufen, dass ich noch lebe. Denn ich hatte mich bei ihnen abgemeldet. Hühnersuppe essen, die war schon fertig im Kühlschrank, nur noch warm machen.
Der Anrufbeantworter blinkte schon, meine Mama hatte eine gute Nachricht hinterlassen, und ich rief sie zurück. Sie erzählte auch vom Wetter und dass es sehr kalt werden soll die nächsten Tage, und ich dachte sofort, das bedeutet Schnee schippen. Denn jetzt lässt er sich noch gut schaufeln, wenn alles antaut und dann gefriert und verharscht, dann habe ich wirklich ein Problem. Denn dann wird es fast unmöglich, die Flächen zu beräumen. Vor allem, weil ich mit dem Auto nicht mehr rauskomme.
Also erst mal noch schnell Schnee schippen. Nach vier Tagen Fasten, was ich im ersten Moment ganz vergessen hatte, war ich erstaunt, wie gut es ging, wie viel Kraft ich hatte. Doch nach einer Weile wurde es spürbar, dass ich nur das Allernötigste schaffen konnte. Vier schmale Wege in alle Richtungen, zu den Schuppen, zum Tor, zur Speisekammer und zum Feuerholz, für das Auto konnte ich beim besten Willen keine freie Fahrt schaufeln, das musste warten. Vielleicht gelingt das ja morgen noch, wenn es nicht zu sehr taut, aber ich spürte deutlich, dass es schon kalt genug war.
Danach war ich sichtlich erschöpft und glücklich am warmen Ofen mit meiner Hühnersuppe, von der ich nur einige Löffelchen essen konnte, da war ich schon satt. Dabei hatte ich in den drei Tagen einige Male von Essen geträumt, ohne hungrig zu sein. Ich hatte einfach Freude an der Vorstellung, was ich alles gern mal essen würde.

Nach der Suppe wollte ich unbedingt das Toning anhören und daraus etwas zusammenschneiden, was dem nahekommt, wie es sich für mich angefühlt hat. Dabei war ich sehr ungeduldig, als hätte das keine Zeit, und habe mich gewundert, warum ich da so eilig war. Es ging auch erstaunlich schnell. Sollte wohl genauso sein.
Nachdem ich es geteilt habe im Schöpfer-Kanal, war es mir plötzlich peinlich. Nun dachte ich, dass es doch eine Zumutung ist für andere, sich das anzuhören, außerhalb von so einem Raum, so im Alltag, das funktioniert doch gar nicht. Aber so ist das halt, vielleicht können viele nichts damit anfangen.

Ich habe hier versucht, das Wesentliche mitzuteilen, für mich selbst zur Erinnerung und für die Menschen, die es interessiert. Neben diesen Dingen gab es natürlich noch vieles, was mich bewegt hat, was ich gesehen habe, ohne es einordnen zu können, und ganz persönliche Erkenntnisse, die nicht zum Teilen geeignet sind. Ich werde das auf jeden Fall gerne wieder machen, weil es sich tatsächlich wie eine Grundreinigung, Heilung, Neuverankerung im Selbst und Kraftschöpfung angefühlt hat – Raum zu haben, um zu lauschen, um das eigene Innere zu erkunden, neu inspiriert zu sein aus der Tiefe und dem Körper Gelegenheit zu geben, sich zu regenerieren und zu reparieren, ist einfach wunderbar.

Wenn ich nun zurückschaue, war es eine sehr schöne Erfahrung, die ganz anders war als erwartet. Ich empfand es nicht als Herausforderung, sondern es war mir die meiste Zeit ein Genuss. Da ist auch ein bisschen Enttäuschung, dass ich keinen luziden Traum hatte und da mal tiefer und weiter gehen konnte als sonst. Die Hoffnung, im Dunkeln plötzlich sehen zu können, so wie das Muster von meinem Kopfkissen, wurde leider nur an diesem einen Punkt real, und ich verstehe es nicht. Und dass ich so präsent war und so klar, ohne verloren zu gehen, ohne irgendwohin abzudriften, hat mich überrascht. Ohne dass ich sagen könnte, dass ich das toll finde, es zeigt vielleicht nur, was für ein Kontrolletti ich bin 🙂 Es war, als hätte ich eine Uhr gefrühstückt 🙂 Im normalen Alltag verschiebt sich mein Zeitgefühl oft extrem, aber ich habe auch keine zeitlich festen Abläufe, sondern mache auch mal die Nacht zum Tag und teile mir alles frei ein, da, wo es möglich ist, so wie es passt. Dass ich körperlich im Raum so orientierungslos und verpeilt war, das fand ich lustig, und das habe ich absolut nicht erwartet, es war echt krass.

Nach dem, was ich über „drei Tage in Dunkelheit sein“ gehört und gelesen habe, habe ich auch erwartet, dass sich die Erfahrungen mit der Zeit verändern. Dass man am dritten Tag ganz andere Wahrnehmungen ha,t als am ersten Tag. Das war bei mir absolut nicht der Fall. Ebenfalls hatte ich großen Respekt, vielleicht sogar etwas Angst davor, was die Psyche wohl macht, wenn man ohne Hören und Sehen in der Dunkelheit ist, für so lange Zeit. Doch auch da gibt es nichts Außergewöhnliches zu berichten. Außer dass ich glücklich war und dankbar, dass ich mir das erlaubt habe und so viel Raum hatte, mit mir zu sein. Denn ich liebe es sehr, mit mir in Ruhe zu sein.
Auch dachte ich, dass es schwierig sein könnte, da wieder rauszukommen und mit dem Licht und dem Alltag klarzukommen, doch der Übergang war total leicht, augenblicklich sozusagen und selbstverständlich.

Vielleicht inspiriert es den Einen oder Anderen von euch, das auch mal zu versuchen. Ich denke, die Erfahrungen sind von Mensch zu Mensch krass verschieden. Was wieder deutlich zeigt, dass wir nicht alle gleich sind.
Im Anhang gibt es noch ein Video von dem Raum und das Toning.

Ich freue mich über Rückmeldungen und Austausch.

Toning

Meine Dunkelkammer 🙂

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert